Projektleitung beginnt bei einem selbst
Warum gute Projektmanager zuerst nach innen schauen
Das Projekt ist sauber aufgesetzt, die Ziele sind definiert und der Zeitplan steht. Doch trotzdem verlaufen Meetings zäh, Entscheidungen werden vertagt, die Stimmung im Team kippt schleichend.
Viele Projektmanager reagieren in solchen Momenten reflexartig mit mehr Kontrolle, mehr Abstimmung und mehr Druck. Die eigentliche Ursache liegt jedoch oft nicht in der fehlenden Kontrolle, sondern ist deutlich unbequemer, denn sie liegt in der Rolle des Projektleitenden. Gute Projektführung beginnt nämlich nicht mit Methoden oder Software, sondern mit guter Selbstführung. Wer sich selbst nicht reflektiert, führt sein Team unbewusst, was besonders in komplexen Projekten schnell zu Schwierigkeiten führen kann.
Projektmanagement ist heute vor allem Beziehungsarbeit
Projektleitende arbeiten selten mit formaler Macht. Sie koordinieren Fachbereiche, moderieren Interessen, lösen Konflikte und halten Projekte unter Unsicherheit auf Kurs. Fachliches Know-how ist daher eine wichtige Voraussetzung, aber nicht der alleinige Faktor für die erfolgreiche Umsetzung eines Projektes.
Was den Unterschied macht, ist oft die Wirkung der Projektleitung:
- Wie klar wird kommuniziert?
- Wie wird mit Druck umgegangen?
- Wie wird auf Wiederstand reagiert?
- Und wie viel Raum wird dem Team gelassen?
Diese Fragen lassen sich nicht mit einem Gantt-Chart beantworten, sondern erfordern Selbstreflexion.
Hebel 1: Warum Druck unser wahres Führungsverhalten zeigt
Wird es im Projektalltag stressig zeigt sich für die Projektmitarbeitenden häufig eine andere Führungskraft als in ruhigen Zeiten. Solange alles ruhig läuft, führen die meisten Projektmanager nämlich so, wie sie es sich vorgenommen haben. Sie arbeiten strukturiert, kooperativ und stets lösungsorientiert. Doch Projekte verlaufen selten ruhig und entspannt. Sobald Zeitdruck, Budgetdiskussionen oder kritische Stakeholder ins Spiel kommen, übernimmt oft der Autopilot und Führungskräfte greifen auf alte Muster zurück. Manche fangen an, das Team stärker zu kontrollieren, andere reagieren defensiv, wieder andere ziehen sich zurück oder übernehmen alle Aufgaben plötzlich selbst. Das Team wird von solchen Änderungen im Führungsverhalten verwirrt, weiß häufig nicht, wie es reagieren soll, und kann dann selbst mit ähnlichen Stressreaktionen antworten. Damit das möglichst nicht passiert, ist es sehr wirkungsvoll innezuhalten und sich selbst zu beobachten. So kann man den eigenen Autopiloten erkennen und bleibt auch unter Stress handlungsfähig.
Gerade wenn man in der Selbstwahrnehmung noch nicht gut geschult ist, kann es in anstrengenden Zeiten aber schwer sein, das eigene Verhalten zu beurteilen. In solchen Fällen empfehlen wir Führungskräften, sich nach einer stressigen Situation kurz Zeit zu nehmen, um zu reflektieren:
Praxisimpuls: Mini-Reflexion nach stressigen Situationen
- Halten Sie konkret fest, was in der jeweiligen Situation passiert ist. Beschränken Sie sich dabei auf klare Fakten, ohne diese zu bewerten.
- Werden Sie sich darüber klar, was Sie in der Situation gedacht und gefühlt haben. So erkennen Sie, was Sie an dieser speziellen Situation getriggert hat.
- Denken Sie im Anschluss daran, wie sie gehandelt haben und was das im Team ausgelöst hat. Haben Sie ruhig und besonnen reagiert oder würden Sie im Nachhinein lieber anders handeln? Hat Ihr Verhalten dem Team geholfen, oder hat es eher geschadet?
Wer regelmäßig eine solche Reflexion macht, erkennt die Muster, nach denen er selbst handelt. Und wer diese Muster erkennt, kann daran arbeiten, sie zu verändern.
Hebel 2: Führung entsteht zwischen den Zeilen
Projektmanager kommunizieren ständig in Meetings, Mails, Statusberichten oder Ad-hoc-Abstimmungen. Und trotzdem entstehen im Projektalltag schnell Missverständnisse, weil man den Unterschied zwischen gesendeter und empfangener Botschaft leicht unterschätzt.
Gerade unter Druck wird Sprache oft knapper, sachlicher und härter. Das mag effizient wirken, erzeugt aber Unsicherheit, Unklarheit oder sogar Misstrauen. Wenn die Kommunikation nicht optimal läuft, fragen sich die Teammitglieder häufig nicht mehr, was das eigentliche Ziel ist, sondern was die Führungskraft genau gemeint hat und was das für sie selbst bedeutet. Gute Selbstführung heißt, sich der eigenen Wirkung bewusst zu werden und die Kommunikation anzupassen, sodass nicht nur Informationen vermittelt werden, sondern Orientierung gegeben werden kann, um ein Rätselraten der Mitarbeitenden zu vermeiden. Wir empfehlen, dass Führungskräfte sich vor jedem wichtigen Meeting oder vor wichtigen Absprachen mit dem Team kurz die Zeit nehmen, sich auf das Gespräch vorzubereiten. Das verhindert Reibung und spart im Nachhinein unnötige Klärungsschleifen.
Praxisimpuls: Der Klarheits-Check vor jeder wichtigen Botschaft
Klären Sie vor wichtigen Terminen folgende Fragen:
- Was ist der Kern meiner Aussage? Was genau sollen die Teammitglieder verstehen?
- Was erwarte ich konkret vom Team? Welche Handlungen wünsche ich mir im Anschluss?
- Was könnte missverstanden werden?
Hebel 3: Verantwortung abgeben, ohne Führung zu verlieren
Viele Projektmanager verwechseln Verantwortung mit Kontrolle. Je größer der Druck, desto enger wird oft geführt. Aufgaben werden dann kleinteilig überprüft, Entscheidungen zentralisiert, Rückfragen häufen sich. Das Ergebnis: Die Projektleitung wird zum Engpass und das Team passiv. Das schlimme daran ist, dass der Grund hierfür meist nur Verantwortungsbewusstsein ist, das allerdings einen kontraproduktiven Effekt hat. Selbstreflexion hilft auch hier, diesen Mechanismus zu erkennen und die eigene Rolle neu zu definieren. Fragen Sie sich also immer wieder, ob sie bestimmte Aufgaben tatsächlich selbst lösen oder Entscheidungen selbst treffen müssen. Wenn das Team auch ohne Sie handlungsfähig ist, reicht es, wenn Führungskräfte den Rahmen für die Arbeit setzen, indem sie Ziele, Prioritäten oder Spielregeln definieren. Innerhalb dieses Rahmens braucht es Vertrauen, damit das Team seine Arbeit optimal leisten kann.
Praxisimpuls: Das Kontroll-Experiment
Gerade unter Druck fällt es Führungskräften oft schwer, Verantwortung abzugeben. Nehmen Sie sich daher in der nächsten ruhigeren Projektphase doch einmal die Zeit auszuprobieren, was passiert, wenn Sie die Verantwortung bewusst abgeben:
- Formulieren Sie klar, welches Ziel erreicht werden soll und welchen Prioritäten gefolgt werden soll.
- Definieren Sie die Spielregeln, indem Sie einen klaren Entscheidungsrahmen festlegen.
- Halten Sie sich während der Projektphase zurück, anstatt aktiv zu steuern, und reflektieren Sie das Ergebnis gemeinsam anschließend mit Ihrem Projektteam.
Viele Projektmanager sind überrascht, wie stark Verantwortung und Qualität steigen, wenn Kontrolle gezielt reduziert wird.
Hebel 4: Die eigene Rolle im Projekt bewusst wählen
Projektleiter sind selten nur Projektleiter. Sie sind Vermittler zwischen Fachbereichen, Übersetzer zwischen Management und Team, Coach und Entscheider. Problematisch wird es dann, wenn diese Rollen unklar oder widersprüchlich sind. Teams spüren sehr genau, ob eine Projektleitung gerade moderieren, entscheiden oder ermöglichen will. Daher erzeugen unbewusste Rollenwechsel Unsicherheit und kosten Vertrauen. Selbstführung heißt hier, die eigene Rolle aktiv zu wählen, statt automatisch zu wechseln.
Praxisimpuls: Rollenklärung im Projekt
Halten Sie während der Projektarbeit regelmäßig inne und fragen Sie sich:
- Welche Rolle braucht das Projekt oder ein bestimmtes Teammitglied gerade?
- Welche Rolle nehme ich aktuell oder automatisch ein?
- Passt das zusammen oder stehe ich in der aktuellen Rolle der Projektarbeit eher im Weg?
Diese Klarheit wirkt oft stärker als jede methodische Maßnahme.
Fazit
Viele Projektmanager wissen intuitiv, dass Selbstreflexion wichtig ist, behandeln sie aber wie ein Nice-to-have, da im Projektalltag kaum Zeit dafür ist. In der Praxis entscheidet sie jedoch darüber, ob Projekte eskalieren oder auch unter Druck stabil bleiben. Wirklich erfolgreiche Projektarbeit entsteht dort, wo Klarheit, Struktur und menschliche Führung zusammenkommen.
Bei Parm wissen wir aus eigener Erfahrung, dass Projekte selten an fehlenden Funktionen scheitern, sondern eher an fehlender Transparenz, Überlastung und unklaren Verantwortlichkeiten. Das erleben wir täglich nicht nur, weil wir Projektmanagementsoftware entwickeln, sondern weil jede Softwareeinführung selbst ein komplexes Projekt ist. myPARM ist das Ergebnis dieser Erfahrung. Die Software schafft Struktur, macht Fortschritt sichtbar und reduziert operative Reibung. Das entlastet Projektmanager und genau dadurch entsteht Raum für gute Führung, bewusste Entscheidungen und reflektierte Zusammenarbeit. Oder anders gesagt: Selbstreflexion wirkt am besten, wenn sie auf einer stabilen Projektbasis stattfindet. Zahlen, Daten und Learnings aus dem Projektalltag werden so zum Spiegel für bessere Projektleitung.
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